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Kapitalkosten

Dr. Karsten Füser, Dr. Werner Gleißner
Definition Kosten für die Bereitstellung des Kapitals, die sich vonseiten der Kapitalgeber aus einer risikogerechte Renditeforderung dar. Sie bestimmen sich aus der Kapitalstruktur eines Unternehmens und damit aus sämtlichen Kosten, die zur Beschaffung von Kapital anfallen. In effizienten (vollkommenen) Kapitalmärkten (siehe Kapitalmarkttheorie) entsprechen die Kapitalkostensätze der erwarteten (Mindest-) Kapitalrendite. Die Kapitalkosten sind vom eingegangenen Risiko abhängig, d.h. höhere Risiken führen zu höheren Kapitalkostensätzen.

Bei der Beschaffung von Fremdkapital entstehen die so genannten tatsächlichen, expliziten Kapitalkosten. Dazu zählen Kosten für die Besicherung aufgrund von Bürgschaftsgebühren oder aufgrund einer treuhänderischen Verwaltung von Sicherheiten sowie die Zinskosten an die Fremdkapitalgeber. Als Maßstab für die Fremdkapitalkosten gilt der Effektivzins (interner Zinsfuß). Er stellt den Zinssatz dar, bei dem der Barwert der künftigen Auszahlungen aus dem Unternehmen gleich der heutigen Einzahlung ins Unternehmen ist.

Wichtig anzumerken ist, dass die Fremdkapitalzinsen Rating-abhängig sind und die Fremdkapitalkosten als Erwartungswert des internen Zinses der Fremdfinanzierung gesehen werden können (die Investoren rechnen mit bestimmten Ausfallwahrscheinlichkeiten). Bilden die Ratingsysteme die Ausfallwahrscheinlickeiten korrekt ab, entsprechen sich Fremdkapitalkosten und Fremdkapitalzinsen, die um die Ausfallwahrscheinlichkeit bereinigt sind (Annahme: Investoren sind Risiko neutral).

Als Kosten bei der Beschaffung von Eigenkapital werden die so genannten fiktiven, rechnerischen bzw. impliziten Kapitalkosten bezeichnet. Dazu gehören die Emissionskosten sowie die Kosten, die im Zusammenhang mit den Mitbestimmungsrechten der Eigenkapitalgeber anfallen. Vergleichbar mit den Zinsen beim Fremdkapital besteht beim Eigenkapital der erwartete Gewinn der Eigenkapitalgeber, der jedoch nicht vertraglich fixiert ist. Die Eigenkapitalkosten werden in der Regel über das Capital Asset Pricing Model (CAPM) ermittelt, was aber nur für vollkommene Kapitalmärkte sinnvoll ist.

Die durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens bei gemischter Finanzierung ergeben sich als Mittelwert der Summe aus den Fremdkapitalkosten und den Eigenkapitalkosten. Die durchschnittlichen Kapitalkosten eines Unternehmens werden auch als [Weighted Average Cost of Capital] (WACC) bezeichnet und nach folgender Formel berechnet:

WACC = 


Problematisch ist vor allem, die für die Gewichtung zu kEK und kFK oft genutzten Marktwerte des Eigenkapitals, die nur in vollkommenen Märkten die Zukunftsperspektiven eines Unternehmens korrekt widerspiegeln. Das zudem bestehende „Zirkularitätsproblem“ – WACC sind vom Marktwert des Eigenkapitals abhängig und umgekehrt – lässt sich zumindest iterativ lösen. Schließlich wird nicht die interne Planung des Unternehmens bei der Bestimmung des Marktwerts des Eigenkapitals berücksichtigt, in der die zukünftigen Risiken des Unternehmens enthalten sind. Eine Möglichkeit, bei unterstellten unvollkommenen Kapitalmärkten die Kapitalkosten zu berechnen, zeigt die nachfolgende Formel. Dabei wird der zur Deckung der eingegangenen Risiken notwendige Eigenkapitalbedarf (als Ergebnis der Aggregation der Einzelrisiken) in die Formel einbezogen. Der so gewonnene Kapitalkostensatz (modifizierte WACC) ist an die Risikosituation des Unternehmens angepasst.

WACCmod =

Inzwischen gibt es neue Methoden zur Schätzung von Kapitalkosten:

  1. Ergänzend zum Beta-Faktor werden weitere systematische Risikofaktoren berücksichtigt. Im Drei-Faktoren-Modell von Fama/French (1993), einer Variante der APT, sind dies Buchwert-Kurs-Verhältnis und die Unternehmensgröße.
  2. Anstelle der statistischen Analyse historischer Renditen wird eine zukunftsorientierte Kapitalkostenschätzung vorgenommen. Diese werden berechnet als derjenige interne Zinssatz, bei dem sich aus den von Finanzanalysten prognostizierten zukünftigen Erträgen gerade der Börsenkurs ergibt.
  3. Neben der Standardabweichung und dem Beta-Faktor werden auch andere Risikomaße genutzt, die wegen der Verlustaversion der Menschen die möglichen negativen Planabweichungen stärker gewichten (der Value-at-Risk, der CVaR und LPMs).
  4. Mit Hilfe der Methode der Replikation wird ein Weg zur Bestimmung des Werts unsicherer Zahlungsreihen gegangen, der kein Bewertungsmodell und keine Kapitalkostensätze erfordert. Um den Wert der unsicheren Zahlungsreihe zu bestimmen, wird diese nachgebildet aus Zahlungsreihen bis , deren Preis bekannt ist (arbitragefreie Kapitalmärkte).
  5. Sogenannte „ad hoc-Faktormodelle“, die auf ökonometrischen Untersuchungen basieren, berücksichtigen bei der Erklärung erwarteter Renditen beliebige Determinanten, die nicht als Risikofaktoren interpretiert werden. Sie geben damit das Prinzip auf, dass höhere erwartete Renditen nur durch höhere Risiken zu rechtfertigen seien.
  6. Bei Verzicht auf die Annahme vollkommener Kapitalmärkte werden Kapitalkostensätze unmittelbar aus messbaren Risikoinformationen der Zahlungsreihe (gemäß Planung) abgeleitet. Vom Kapitalmarkt ist damit nur die Bestimmung des Marktpreises des Risikos erforderlich, nicht aber die Bestimmung des Risikomaßes (z.B. des Eigenkapitalbedarfs). Derartige Ansätze berücksichtigen damit die Verfügbarkeit überlegener Informationen über die Zahlungsreihe (z.B. bei der Unternehmensführung gegenüber dem Kapitalmarkt) und gegebenenfalls auch die Bewertungsrelevanz nicht diversifizierter unternehmensspezifischer Risiken.
Links Karsten Füser und Werner Gleißner: Rating-Lexikon,
München 2005, Beck im dtv Verlag, http://www.dtv.de, 552 Seiten, ISBN 3-406-53054-0.
   

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